Strömender Regen, Schnee am Brenner und eine flaues Gefühl im Magen. So sind Stefan und ich am 24. Mai nach Italien gefahren. Eigentlich haben wir uns gut vorbereitet. Trotz des miesen Wetters der ersten Monate, hatten wir schon einige km und hm in den Beinen. Unser Highlight war dabei sicherlich unser Rennrad Trainingscamp in Denia Spanien. Ich denke auch dazu werde ich demnächst was veröffentlichen, denn wir wollen unbedingt wieder hin und vielleicht will ja jemand mit.Aber weiter im Text. Rally Di Romagna, das Rennen habe ich bei einer mitternächtlichen Recherche vor 2 Jahren gefunden. Die Beschreibungen und die Bilder des, durch den Apennin der südöstlichen Emiglia Romagna führenden Rennens, haben mich sofort infiziert.

Das flaue Gefühl kam aber nicht wegen des Wetters, sondern eher wegen der Eckdaten. Die Angaben des Veranstalters waren Typisch italienisch sehr Vage und widersprüchlich. In Berichten von 2012er Teilnehmern war von heftig bis unfahrbar alles dabei. Tagesetappen mit über 3000hm standen da drin. Stefan ist noch nie über 3000hm am Tag gefahren und in meiner Erinnerung war ab 3000hm nur totale Erschöpfung und alles tut weh gespeichert. Dazu noch das kalte und nasse Wetter….aber egal…wir haben es uns ja ausgesucht..

Na ja, wenn man dann am Zielort ankommt und es sind gerade mal 8°C Plus bei absolutem Pisswetter, dann…ja dann hilft nur eine gute Pizzeria mit leckerem Essen.

Und schon sind wir beim Thema…die Rally Di Romagna…um es kurz zu sagen, ist das bisher schönste und lohnenswerteste Rennen, dass ich bisher gefahren bin. Die Organisation, lauter nette Leute, sehr familiäre Atmosphäre wo auch die Letzten noch frisch gemachte Pasta bekommen, und eine wunderschöne Strecke die richtig Spaß macht.

Aber der Reihe nach. Das Rennen hatte 2 Teile - einmal als Wochenende mit 2 Tagen und einmal die Version mit 6 Tagen. Wir hatten uns ja für das 6 Tage Rennen angemeldet. Ca. 300 Starter waren zum Wochenende dabei. Ab dem dritten Tag dann nur noch 80 - mehr wurden nicht zugelassen, weil ein Großteil der Strecke durch ein Naturschutzgebiet geht. Klein und fein ist die Rally Di Romagna, ganz das Gegenteil der Massenveranstaltungen wie Trans Alp usw.

Am 24. Mai ging's dann um 14:00 los. Die Etappe war mit ca. 35km und 1300hm als Prolog!!!! gedacht und schon mal deutlich mehr als in der Ausschreibung steht. Zum Start fuhren wir in dicksten Regenklamotten und es schüttete wie aus Eimern. Aber…Italien ist doch ein wunderbares Land….der Himmel öffnete sich ca, 3min. vor Start und ein kleiner Blauer Fleck war zu sehen.

Wir also raus aus den Regenklamotten, alles bei einer netten Dame abgeben und schön brav hinten anstellen. Vorne standen die ganzen Kurzstrecken Racer und die, die aufs Preisgeld scharf waren.

Wir hatten uns vorgenommen nicht Letzter zu werden. Also sind wir von hinten ein Paar Plätze nach vorne gefahren. Wir den ersten Tag relativ schnell angegangen, so unter dem Motto mal sehen was geht und dann auch irgendwo in der vorderen Hälfte des Feldes gelandet.

Am nächsten Tag gings dann um 9:00 morgens los. In der Startaufstellung wurde ich zu meinem Erstaunen in den ersten Startblock gesteckt, weil ich in meiner Alterklasse unter den Ersten 5 gelandet war. Schönes Gefühl mal ganz vorne zu stehen, aber neben den ganzen Racern fühlte ich mich dann doch deplaziert und bin kurz vor Start dann wieder in die zweite Reihe zu Stefan, denn wir wollten alle Tage gemeinsam fahren.

Der zweite Tag brachte für uns dann sehr schnell drei Erkenntnisse. Erstens, Italiener lieben den direkten Weg nach oben. Zweitens, Hannoveraner Deister Übersetzungen taugen nicht für die Emiglia Romagna. Drittens, italienischer Schotter ist definitiv 10 mal gröber als unserer

Oh wie haben wir gelitten. Dann noch Steigungen jenseits der 30%. Mit einem Untergrund der sich durch den Regen der Vortage in eine klebrige schlammige Fangopackung verwandelt hat  Dieser Klebematsch, hatte eine eigene Qualität. Haben wir die Räder getragen sind die Schuhe stecken geblieben. Sind wir gefahren oder haben die Räder geschoben, hat sich der Schlamm so um die Reifen gepackt, das die nach 10 Meter sich nicht mehr bewegt haben. Manche sind auf allen Vieren die Hänge hoch…oder auf dem Hosenboden runter. Aber egal…das Wetter hat gehalten, die Stimmung aller Teilnehmer war super und die Strecke sensationell. Im Ziel gab´s reichlich Pasta, Käse, Salami und Kuchen zur Stärkung. Am Nachmittag gab es dann die Siegerehrung der 2 Tage Fahrer. Für die auf dem Treppchen gab es komplette leckere Schinken Keulen oder zwei Meter lange Salamis.

Dritter Tag, wir mussten entscheiden. Entweder weiter im Racetempo, dann sehen wir nichts von der wunderschönen Gegend. Oder, wir machen langsamer und nehmen uns auch mal die Zeit stehen zu bleiben und zu genießen. Die Entscheidung ist uns leicht gefallen - die Gegend und die Trails waren einfach zu schön. Ausserdem hatten wir unser Ziel schon im Sack, denn bereits in der zweiten Etappe, haben einige Aufgegeben oder haben sich "verfahren" und abgekürzt. Die bekamen die Zeit des letzten plus 1 Stunde Strafzeit. Ausserdem wurden Sie aus der Gesamtwertung genommen - weiterfahren darf aber jeder, jeden Tag aufs Neue. Wer also einmal ausfällt ist nicht gleich ganz raus.

Der Tag war toll…bestes Wetter, richtig gute Trails und insgesamt nur ca. 5km Asphalt. Außerdem hat sich eine coole Genießertruppe um uns herum gebildet. Nett war auch dass der Veranstalter 2 Guides als "Besenwagen" hinterhergeschickt hat. Damit waren wir eine Truppe mit persönlichem Begleitservice, den wir dann z.B. dafür genutzt haben, uns bei den Verpflegungsstellen für Kaffee und Kuchen anzumelden.

Echt wahr…die die Betreuer, waren ja immer die gleichen und die hatten Ihren Spaß mit uns. Als ich an einer Verpflegungsstelle meinte morgen hätte ich gerne Kaffee und Kuchen, stand das tatsächlich am nächsten Tag bereit. Schade nur, ist ja doch ein Rennen und so hielt sich der Genuss von Kaffee und Kuchen in Grenzen.

Vierter Tag…wir haben schlecht geschlafen und waren aufgeregt. 96km und 3400hm Standen im Programmheft. Da bisher jeder Tag einige km und hm mehr als beschrieben hatte und wir ja nun die steilen Anstiege und den schwierigen Untergrund kannten, war der Respekt sehr groß.

Aber wir waren nicht die Einzigen die den Tag etwas geruhsamer angegangen sind. Erstmals wurden wir nicht gleich nach dem fliegenden Start abgehängt, sondern um uns herum waren viele neue Gesichter aus dem vorderen Feld. Nach ca. 20km war dann aber unsere Geniessertruppe wieder komplett und wir sind zügig aber ohne ans Limit zu gehen gefahren. Bummeln war heute nicht drin, denn es gab drei festgelegte Durchgangszeiten. Wer die verpasst hat, ist raus genommen worden.

Also hieß es kräftig zu treten. Fluchen war erlaubt…und wurde ausgiebig, zumindest von mir, in Anspruch genommen. Immerhin sind wir allergeilste Single Trails bergauf!!!??? gefahren. Ich hab gedacht ich krieg die Krise…erst einen Single Trail hoch und dann eine rasende Abfahrt auf Asphalt runter. Zack waren 400 schwer erkämpfte hm weg.

Aber mein fluchen wurde erhört und die nächste Auffahrt war wie man das gerne hat. Asphalt und Schotterstrasse hoch…nicht zu Steil nicht zu Grob…dann 15km auf einem Höhenweg mit Blick über den halben Apennin und dann scharf rechts, 1m Absatz runter und schon waren wir in einem 6km Super Hammer Single Trail.

Nach 6Stunden überschritten wir die 3000hm auf dem Tacho und konnten auf einem Stück Strasse noch ein Paar Plätze gut machen. Ja, flach das können wir. Schönen Zug gebildet …Kette rechts und gib Gummi…das können wir. Noch ein letzter ziemlich fieser Anstieg, und das Ziel vor Augen. Noch eine rasende Abfahrt gefährliche Schotterabfahrt die aber sehr gut gesichert und markiert war.

Nach ca. 7,5 Stunden hatten wir´s dann geschafft. Auf meinem GPS standen dann 104km und 3700hm…ja ja die Italiener.

Tag 5 und 6 waren dann reine Genusstouren, zügig aber mit Zeit mal anzuhalten, den Ausblick zu genießen und Fotos zu machen. Unsere Truppe war mittlerweile berühmt für die gute Stimmung und wurde entsprechend Unterwegs gefeiert.

Die Streckenführung hatte jeden Tag neue Trails und Wege im Programm. Es gab nur wenige Kreuzungspunkte und Überführungsteile die sich wiederholt haben. Die Schlussetappe war denn noch mal ein echtes Highlight, denn sie führte in das zuvor wegen Erdrutsche geschlossene Gebiet. Damit hatten wir auch noch die letzte Ecke dieser fantastischer Gegend unter die Stollen genommen.

Zur Siegerehrung bekamen Stefan und ich überraschenderweise sogar einen Preis. Kurzfristig hat der Veranstalter einen Preis für das einzige Team das alle Etappen komplett gefahren ist erfunden. Alle anderen sind entweder raus geflogen oder haben aufgegeben. Apropos aufgeben. Nur ca. 40% der Teilnehmer sind in der Wertung geblieben. Auch wenn wir nicht alle Etappen im Renntempo gefahren sind, so war es doch ziemlich anstrengend. Für uns Flachländler waren die steilen Anstiege und der schwierige Untergrund doch Kräfte raubend.

Dennoch das Rennen Rally Di Romagna kann ich jedem nur an Herz legen. Wir fanden es super und wollen gerne noch mal fahren. Am liebsten natürlich mit einem größeren MBC Team.