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Volle Power voraus – die Garmin Rally XC210-Pedale im Test

15/10/2026 Bernd Kramer
Blick auf die rechte Antriebsseite einer Rennradkurbel. In der Pedale ist ein Schuh eingeklickt. Der Untergrund ist verschwommen.

Garmin Rally XC210 – von Wattmessung bis Trainingssteuerung

Wer seine Trainingsleistung auf dem Rad gezielt steuern möchte, kommt an einem Powermeter kaum vorbei. Die Wattmessung ermöglicht es, die Belastung unabhängig von Geschwindigkeit, Wind und Streckenprofil einzuschätzen. Gerade auf langen Ausfahrten und bei Rennen hilft das, die Kräfte besser einzuteilen und die Leistung möglichst konstant zu halten.

Die Garmin Rally XC210 sind Powermeter-Pedale für den Offroad-Einsatz mit beidseitiger Leistungsmessung. Die Sensorik sitzt in der Pedalachse, während der Pedalkörper mit dem Shimano-SPD-Klicksystem für Gravelbikes und Mountainbikes ausgelegt ist. Neben den klassischen Leistungsdaten verspricht Garmin eine hohe Messgenauigkeit, eine lange Akkulaufzeit und zusätzliche Informationen zur Trittbewegung. Damit sind die Pedale nicht nur für ambitionierte Trainingsfahrer interessant, sondern auch für alle, die ihre Leistung auf mehreren Fahrrädern erfassen möchten.

Doch wie schlagen sich die Garmin Rally XC210 in der Praxis? Wie unkompliziert sind Montage und Kopplung mit einem Wahoo-Fahrradcomputer? Wie plausibel fallen die Messwerte aus, und welchen Mehrwert bieten die erweiterten Leistungsdaten? Wir haben die wichtigsten Funktionen und Eigenschaften von Garmins Wattmesspedalen genauer unter die Lupe genommen.

Das erwartet dich im Test:

Die Garmin Rally XC210 Wattmesspedale bringen laut Hersteller nur 436 g auf die Waage.
 

Technische Daten und Ausstattung

Die Garmin Rally XC210 sind beidseitig messende Powermeter-Pedale mit Shimano-SPD-System. Laut Hersteller bringen sie zusammen 436 Gramm auf die Waage. Die Messsensorik ist in den Pedalachsen untergebracht und erfasst die Leistung für jedes Bein separat.

Die wichtigsten technischen Daten im Überblick:

  • • Messsystem: beidseitige Leistungsmessung
  • • Messgenauigkeit: laut Hersteller ±1 %
  • • Messposition: Pedalachse
  • • Klicksystem: Shimano SPD
  • • Gewicht: 436 g laut Hersteller
  • • Q-Faktor: 53 mm, bzw. 55 mm mit der mitgelieferten 2-mm-Unterlegscheibe
  • • Bauhöhe: 11,5 mm
  • • Konnektivität: ANT+, Bluetooth und USB-C-kompatible Verbindung
  • • Akkulaufzeit: bis zu 90 Stunden laut Hersteller
  • • Schnellladen: bis zu zwölf Stunden Betriebszeit nach 15 Minuten Ladezeit laut Hersteller
  • • Schutzklasse: IPX7
  • • Zusatzfunktionen: Cycling Dynamics, Links-rechts-Balance, Pedal IQ und automatische beziehungsweise unterstützte Kalibrierung
  • • Einsatzbereich: Gravel, Mountainbike und weitere Fahrräder mit kompatiblem SPD-System

Zum Lieferumfang gehören passende SPD-Cleats, Ladeclips und Ladekabel. Auch die Auslösehärte lässt sich an die eigenen Vorlieben anpassen.

Ein weiterer Vorteil ist der modulare Aufbau des Rally-Systems. Die Messsensoren lassen sich mit kompatiblen Pedalkörpern anderer Rally-Ausführungen kombinieren. So kann dieselbe Messplattform bei Bedarf auch mit einem anderen Klicksystem genutzt werden. Das ist vor allem für Fahrer interessant, die zwischen Gravelbike, Mountainbike und Rennrad wechseln.

 

Installation und Inbetriebnahme

Die Garmin Rally XC210 werden wie herkömmliche Pedale über das Pedalgewinde an der Kurbel montiert. Anschließend lassen sie sich mit kompatiblen Fahrradcomputern und Apps verbinden. Dank ANT+ und Bluetooth sind sie nicht auf Geräte von Garmin beschränkt, sondern können grundsätzlich auch mit Fahrradcomputern anderer Hersteller genutzt werden.

Einrichtung am Wahoo ELEMNT BOLT v2

Für unseren Test haben wir die Pedale mit einem Wahoo ELEMNT BOLT v2 verwendet. Dabei gab es zunächst einen etwas umständlichen Zwischenschritt: In unserem Fall mussten die Pedale zunächst über Garmin Connect eingerichtet und freigegeben werden, bevor sie am Wahoo erkannt wurden.

Wer sich ansonsten nicht im Garmin-Ökosystem bewegt, dürfte sich an diesem zusätzlichen Schritt stören. Nach der Einrichtung ließen sich die Rally XC210 jedoch als Leistungssensor mit dem Wahoo koppeln und die übertragenen Daten auf den gewünschten Anzeigeseiten darstellen.

Wichtig ist dabei die korrekte Kurbelarmlänge. Sie muss entsprechend den Vorgaben des Herstellers konfiguriert sein, damit die Leistungswerte korrekt berechnet werden. Wer die Pedale zwischen Fahrrädern mit unterschiedlichen Kurbelarmlängen wechselt, sollte deshalb prüfen, ob die jeweilige Konfiguration stimmt.

Nach der Kopplung empfiehlt es sich außerdem, die Firmware zu überprüfen und vor der ersten Fahrt eine Kalibrierung beziehungsweise Nullpunktmessung entsprechend den Herstelleranweisungen durchzuführen. So ist sichergestellt, dass die Leistungsmessung unter den vorgesehenen Bedingungen arbeitet.

Insgesamt ist die Einrichtung kein großes technisches Hindernis. Die zusätzliche Freigabe über Garmin Connect machte den Prozess in unserem Test mit dem Wahoo allerdings etwas umständlicher als erwartet.

 

Die Garmin Rally XC210 in der Praxis

Die Rally XC210 verwenden das verbreitete Shimano-SPD-System. Wer bereits mit entsprechenden Schuhen und Cleats unterwegs ist, muss sich nicht an ein neues Klicksystem gewöhnen. Die Auslösehärte lässt sich anpassen, sodass sich die Pedale auf die eigenen Vorlieben abstimmen lassen.

Wir haben die Pedale sowohl an einem Gravelbike als auch an einem Cervélo Caledonia verwendet – jeweils in Kombination mit Shimano RX801-Schuhen.

Der Einstieg gelang problemlos, auch bei einer eher straff eingestellten Auslösehärte. Ebenso ließ sich der Schuh bei Bedarf schnell wieder aus dem Pedal lösen. Das Ein- und Ausklicken funktionierte in unserem Test wie vom SPD-System gewohnt.

Metallisches Quietschen bei kräftigen Antritten

Für unseren Test haben wir nicht die neuen, mitgelieferten Cleats verwendet, sondern bereits vorhandene Schuhplatten, die schon mehrere tausend Kilometer zurückgelegt hatten. Entsprechend waren gewisse Verschleißerscheinungen vorhanden. Unter kräftigen Antritten war dadurch minimales Spiel zwischen Schuh und Pedal spürbar. Gleichzeitig trat ein metallisches Quietschen im Bereich der SPD-Cleats auf.

Solche Geräusche können verschiedene Ursachen haben. Häufig entstehen sie durch Reibung zwischen Cleat und Pedal, Verschmutzungen, lockere Schrauben oder verschlissene Kontaktflächen. Auch die Position und der Zustand der Cleats sollten überprüft werden. Je nach Ursache können eine Reinigung, korrekt angezogene Schrauben oder neue Cleats Abhilfe schaffen. Ein geeignetes Pflegemittel sollte nur verwendet werden, wenn es für den jeweiligen Kontaktbereich freigegeben ist.

In unserem Test haben wir das Quietschen allerdings nicht weiter behandelt, sondern uns damit abgefunden. Ein technischer Defekt lässt sich daraus nicht ableiten, störend war das Geräusch beim Fahren aber durchaus. Gerade bei einem hochwertigen Powermeter-Pedal hätten wir uns einen ruhigeren Lauf gewünscht. Ob sich das Geräusch durch neue Cleats oder eine andere Maßnahme vollständig beheben lässt, haben wir nicht überprüft.

Volle Power bei der Akkulaufzeit

Bei unserem Test haben die Garmin Rally hinsichtlich der Akkulaufzeit überzeugt. Nach knapp 1250 Kilometern mit knapp 45 Stunden reiner Fahrtzeit waren die Pedalen noch längst nicht leergefahren. Tatsächlich gibt Garmin für die Rally XC210 eine Akkulaufzeit von bis zu 90 Stunden an. Für den Alltag bedeutet das, dass die Pedale nicht nach jeder Ausfahrt geladen werden müssen. Bei unserem Test hatten die Pedale selbst nach 2 Wochen intensiver Nutzung noch ausreichend Saft ohne einmal nachladen zu müssen. Das macht die Pedale auch im Hinblick auf längere Ultracycling Rennen interessant, da die Pedalen über mehrere Tage hinweg zuverlässig arbeiten und somit zwischen den Ladevorgängen eine beträchtliche Nutzungsdauer liegen kann.

Sollten die Pedalen aber mal leergefahren sein, besteht dank der Schnellladefunktion kein Grund zur Panik. Laut Hersteller sollen bereits 15 Minuten Ladezeit für bis zu zwölf Stunden Betrieb ausreichen. Das kann auf langen Touren oder vor einem Rennen praktisch sein, wenn man erst kurz vor der Abfahrt feststellt, dass der Akkustand niedrig ist.

Geladen wird über die mitgelieferten Ladeclips und Ladekabel. Die Ladeclips werden magnetisch an den dafür vorgesehenen Kontakten der Pedalachsen befestigt und mit einer geeigneten USB-C-Stromquelle verbunden. Das ist ein anderer Ansatz als bei älteren Rally-Generationen, bei denen austauschbare Knopfzellen zum Einsatz kamen. Die Status-LED signalisiert dabei den Ladezustand.

Die Angabe von 90 Stunden ist allerdings ein theoretischer Maximalwert des Herstellers und keine Garantie für jede Einsatzsituation. Temperatur, Nutzung und Betriebsbedingungen können die tatsächliche Laufzeit beeinflussen. Wir hatten jedenfalls hinsichtlich der Akkulaufzeit keine Probleme in unserem Praxistest und waren rundum zufrieden.

 

Zuverlässige Leistungsmessung – das Herzstück der Garmin Rally XC210

Die wichtigste Aufgabe der Rally XC210 ist die zuverlässige Erfassung der Leistung. Denn erst wenn die Wattwerte plausibel und reproduzierbar sind, lässt sich das Potenzial eines Powermeters für Trainingssteuerung, Belastungsanalyse und Renneinteilung nutzen.

Wie misst die Rally XC210?

Die XC210 erfassen das Drehmoment an den Pedalachsen. Zusammen mit der Winkelgeschwindigkeit der Kurbel berechnet die Elektronik daraus die Leistung in Watt. Vereinfacht gesagt: Je höher das auf die Pedalachse wirkende Drehmoment und je schneller sich die Kurbel dreht, desto höher fällt die gemessene Leistung aus.

Der entscheidende Unterschied zu einem einseitigen Powermeter liegt in der getrennten Erfassung beider Beine. Die Rally XC210 messen die linke und rechte Seite separat und addieren die Werte zur Gesamtleistung. Die Leistung eines Beins muss somit nicht einfach verdoppelt werden, um die Gesamtleistung zu schätzen.

Garmin gibt eine Messgenauigkeit von ± 1 Prozent an. Diese Angabe beschreibt die vom Hersteller spezifizierte Genauigkeit unter den vorgesehenen Bedingungen. Sie bedeutet nicht, dass die XC210 bei jeder Fahrt und in jedem Leistungsbereich exakt denselben Wert wie ein anderes Powermeter liefern müssen.

Sind die gemessenen Wattzahlen plausibel?

In unserem Praxistest wirkten die gemessenen Leistungswerte plausibel und entsprachen weitgehend der subjektiv empfundenen Belastung. Bei kräftigen Antritten stiegen die Wattwerte deutlich an, während sie bei gleichmäßiger Belastung relativ stabil blieben. Auch Belastungsspitzen und Tretpausen wurden nachvollziehbar dargestellt.

Allerdings lässt sich die Messgenauigkeit nicht allein anhand des Fahrgefühls beurteilen. Um die Genauigkeit eines Powermeters genauer zu überprüfen, wäre ein Vergleich mit einer zweiten, möglichst gut überprüften Leistungsquelle sinnvoll – beispielsweise mit einem kalibrierten Indoor-Trainer oder einem weiteren hochwertigen Powermeter. Wichtig wäre dabei, beide Systeme unter möglichst gleichen Bedingungen zu betreiben.

Da wir bei unseren Testbikes keine zweite Leistungsquelle zum Gegenchecken zur Verfügung hatten, können wir die angegebene Messgenauigkeit von ± 1 Prozent nicht unabhängig bestätigen. Unser Eindruck im Alltag war dennoch positiv: Die Werte waren plausibel und ließen sich für die Trainingssteuerung verwenden.

 

Detaillierte Leistungsdaten dank Cycling Dynamics

Die Rally XC210 erfassen nicht nur die üblichen Leistungswerte, sondern bieten auch erweiterte Informationen zur Trittbewegung. Garmin fasst diese unter dem Begriff Cycling Dynamics zusammen. Diese erweiterten Leistungsdaten sind in vollem Umfang ausschließlich im Garmin Kosmos auf kompatiblen Garmin Edge Geräten verfügbar. Auf Geräten von Fremdherstellern, wie. z.B. Wahoo, stehen hingegen nicht alle entsprechenden Datenfelder zur Verfügung.

Zu den Cycling Dynamics gehören unter anderem die Links-rechts-Balance, die Power Phase, der Platform Center Offset und die Sitz- und Wiegetritterkennung. Bei unserem Test mit dem Wahoo ELEMNT BOLT v2 hatten wir jedoch nur Zugriff auf die Werte der Links-rechts-Balance.

Die Cycling Dynamics dargestellt in einer Beispielgrafik. Hierbei ist zu beachten, dass diese erweiterten Leistungsdaten nur mit kompatiblen Garmin Edge Geräten in vollem Umfang verfügbar sind.

1. Links-rechts-Balance

Die Links-rechts-Balance zeigt, welchen Anteil der Gesamtleistung das linke und das rechte Bein jeweils erzeugen. Eine Anzeige von 48 zu 52 Prozent bedeutet beispielsweise, dass das linke Bein 48 Prozent und das rechte Bein 52 Prozent der gemessenen Leistung beigetragen hat.

Damit lässt sich nachvollziehen, ob ein Bein dauerhaft mehr Leistung erzeugt oder ob sich die Verteilung unter hoher Belastung oder mit zunehmender Ermüdung verändert.

2. Power Phase

Die Power Phase beschreibt den Winkelbereich der Kurbelumdrehung, in dem ein Bein positive Leistung erzeugt. Sie zeigt also, in welcher Phase des Tritts Kraft auf das Pedal übertragen wird. Die Daten werden für beide Beine separat erfasst und können helfen, Veränderungen der Tretbewegung zu analysieren.

3. Sitz- und Wiegetritt-Erkennung

Die Erkennung der Sitz- und Wiegetrittposition kann zeigen, wann du im Sattel sitzt und wann du im Stehen fährst. Das ist beispielsweise bei längeren Anstiegen oder intensiven Intervallen interessant, wenn du nachvollziehen möchtest, wie sich Leistung und Fahrposition zueinander verhalten.

4. Platform Center Offset (PCO)

Der Platform Center Offset beschreibt die seitliche Position der Kraftübertragung relativ zur Mitte der Pedalplattform. Der Wert kann Hinweise darauf geben, wo die Kraft auf das Pedal wirkt, und bei einer genaueren Analyse der Fuß- und Cleat-Position hilfreich sein. Für sich genommen ist er allerdings kein Beleg für eine optimale oder fehlerhafte Fußstellung.

Was bringen die erweiterten Leistungsdaten in der Praxis?

Die zusätzlichen Daten sind vor allem für Fahrer interessant, die ihre Tretbewegung genauer analysieren möchten. Die Links-rechts-Balance kann beispielsweise zeigen, ob sich die Leistungsverteilung unter hoher Belastung verändert. Power Phase und PCO liefern weitere Anhaltspunkte zur Kraftübertragung und Fußposition.

Bei der Interpretation ist allerdings Vorsicht geboten: Eine möglichst symmetrische Links-rechts-Verteilung oder ein bestimmter Kraftverlauf ist nicht automatisch ein Garant für bessere Leistung. Die Werte sollten immer im Zusammenhang mit dem Trainingsziel und den individuellen Voraussetzungen betrachtet werden. Sie sind Analysewerkzeuge, keine eigenständige Bewertung der Trettechnik.

Die Anzeige und Auswertung der Cycling Dynamics hängen vom verwendeten Gerät und der jeweiligen Verbindung ab. Kompatible Garmin-Geräte und Garmin Connect bieten dafür entsprechende Möglichkeiten. Auf dem Wahoo ELEMNT BOLT v2 stehen die gewöhnlichen Leistungsdaten zur Verfügung; die vollständige Darstellung der erweiterten Garmin-Daten ist dort jedoch nicht gewährleistet. Lediglich die Links-rechts-Balance kann als separates Datenfeld auf dem Wahoo angezeigt werden.

Wer die Cycling Dynamics umfassend nutzen möchte, sollte deshalb vorab prüfen, welche Werte der eigene Fahrradcomputer tatsächlich unterstützt und welche Daten sich später in der jeweiligen Trainingsplattform auswerten lassen.

 

Vergleich mit anderen Powermeter-Systemen

Die Garmin Rally XC210 sind nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Leistung auf dem Fahrrad zu messen. Je nach Bauart unterscheiden sich die Systeme hinsichtlich Messprinzip, Montage, Kompatibilität und Funktionsumfang.

Powermeter-Pedale wie die Garmin Rally XC210

Der größte Vorteil eines Pedal-Powermeters ist die einfache Montage. Für den Wechsel auf ein anderes kompatibles Fahrrad müssen lediglich die Pedale umgebaut werden. Eingriffe in Kurbel, Kettenblätter oder Antrieb sind dafür nicht notwendig.

Die Rally XC210 messen die Leistung beider Beine separat. Es gibt jedoch auch Pedal-Powermeter, die nur einseitig messen. Bei Garmins Rally-Serie übernimmt das die Rally 110. Aus dem Messwert eines Beins wird dabei die Gesamtleistung geschätzt, indem der Wert verdoppelt wird.

Das kann für die Trainingssteuerung vollkommen ausreichen. Weicht die Leistungsverteilung zwischen den Beinen allerdings von 50 zu 50 Prozent ab, kann der errechnete Gesamtwert sich vom tatsächlichen Wert unterscheiden. Verändert sich die Verteilung zusätzlich mit der Belastung oder Ermüdung, kann auch die Abweichung schwanken.

Powermeter am Kurbelarm

Auch bei Kurbelarm-Powermetern gibt es einseitige und beidseitige Systeme. Ein einseitiges Modell misst die Leistung meist über einen Sensor im linken Kurbelarm. Um die Gesamtleistung zu schätzen, wird der Messwert verdoppelt.

Das ist häufig ein vergleichsweise günstiger Einstieg in die wattbasierte Trainingssteuerung. Wer keine beidseitige Messung benötigt, kann damit seine Leistungszonen festlegen und Trainingseinheiten zuverlässig vergleichen – vorausgesetzt, die Leistungsverteilung zwischen den Beinen bleibt ausreichend konstant.

Beidseitige Systeme erfassen beide Kurbelarme separat und addieren die Werte. Dadurch muss die Leistung nicht aus dem Messwert eines einzelnen Beins hochgerechnet werden. Zusätzlich lässt sich die Links-rechts-Verteilung analysieren.

Ein Nachteil ist die geringere Flexibilität beim Wechsel zwischen Fahrrädern. Die Sensoren sind an bestimmte Kurbeln oder Kurbelstandards gebunden. Ein Pedal-Powermeter lässt sich in der Regel unkomplizierter zwischen kompatiblen Rädern wechseln.

Spider-Powermeter

Ein Spider-Powermeter sitzt zwischen Kurbel und Kettenblättern und misst das Drehmoment im Bereich des Kurbelspiders. Zu dieser Kategorie gehören beispielsweise Systeme von Quarq, SRAM und power2max.

Der Vorteil: Das Messsystem ist fest in den Antrieb integriert und kann im Alltag gut geschützt untergebracht sein. Außerdem lässt sich das gewohnte Pedalsystem unabhängig vom Powermeter weiterverwenden.

Dafür muss die Kompatibilität von Kurbel, Spider-Aufnahme, Kettenblättern und Rahmen berücksichtigt werden. Ein Spider-Powermeter lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres zwischen Fahrrädern mit unterschiedlichen Antrieben übertragen. Zudem liefert ein Spider-System nicht automatisch dieselben Informationen zur Links-rechts-Verteilung wie ein beidseitig messendes Pedal- oder Kurbelarmsystem.

Welche Messart ist die beste?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ein hochwertiger Spider-Powermeter kann ebenso präzise messen wie ein beidseitiges Pedal-Powermeter. Entscheidend sind unter anderem Sensorqualität, Kalibrierung, Temperaturkompensation und Signalverarbeitung – nicht allein die Position des Messsystems.

Der wesentliche Unterschied liegt darin, ob ein System die Leistung aus einem Bein hochrechnet oder beide Beine beziehungsweise die Gesamtleistung direkt erfasst. Hinzu kommen praktische Fragen wie Montage, Kosten, Kompatibilität und die Möglichkeit, das System zwischen mehreren Fahrrädern zu wechseln.

Wer nur ein Fahrrad besitzt und möglichst wenig ausgeben möchte, kann mit einem einseitigen Kurbelarm-Powermeter bereits sehr gut trainieren. Wer hingegen mehrere Räder nutzt und die Messplattform flexibel zwischen ihnen wechseln möchte, profitiert von den Vorteilen eines Pedal-Powermeters wie der Garmin Rally XC210.

 

Gezielte Trainingssteuerung mit den Garmin Rally XC210

Für eine wattbasierte Trainingssteuerung liefern die Rally XC210 die wichtigsten Grundlagen: aktuelle Leistung, Durchschnittsleistung und weitere aufgezeichnete Daten wie die Trittfrequenz. In Verbindung mit einem kompatiblen Fahrradcomputer lassen sich Leistungszonen anzeigen, Intervalle kontrollieren und Belastungen über längere Zeiträume vergleichen.

Für die Trainingssteuerung ist vor allem die Vergleichbarkeit der Messwerte wichtig. Wer seine Leistungszonen anhand eines FTP-Tests festlegt, sollte den Test und spätere Trainingseinheiten möglichst mit demselben Powermeter durchführen. So lassen sich Fortschritte beurteilen, ohne dass Unterschiede zwischen verschiedenen Messsystemen die Auswertung unnötig beeinflussen.

Gerade auf langen Distanzen kann die Wattmessung einen praktischen Vorteil bieten. Die Geschwindigkeit schwankt durch Wind, Steigungen, Untergrund und Verkehr. Die Leistung zeigt dagegen unmittelbar, wie viel Kraft gerade aufgebracht wird. Das hilft, die Belastung besser einzuteilen und über viele Stunden kontrolliert zu halten.

Was passiert beim Upload zu Strava?

Die grundlegenden Leistungsdaten einer aufgezeichneten Fahrt – darunter Leistung, Durchschnittsleistung und Leistungsdiagramm – können nach dem Upload in Strava ausgewertet werden. Welche zusätzlichen Werte zur Verfügung stehen, hängt unter anderem von der Aufzeichnung und den übertragenen Daten ab.

Dabei kann es vorkommen, dass die Durchschnittsleistung in Strava von der Anzeige auf dem Fahrradcomputer abweicht. Eine mögliche Ursache ist der unterschiedliche Umgang mit Nullwerten, also Zeitabschnitten, in denen nicht getreten wird. Auch Pausenfunktionen und die Verarbeitung der aufgezeichneten Datei können Einfluss auf die Auswertung haben.

Deshalb sollten beim Vergleich immer dieselben Kennzahlen gegenübergestellt werden: Die normale Durchschnittsleistung ist nicht mit der gewichteten Leistung gleichzusetzen. Eine Abweichung zwischen zwei Plattformen bedeutet außerdem nicht automatisch, dass das Powermeter ungenau misst.

Die erweiterten Cycling-Dynamics-Daten werden nicht automatisch vollständig an Strava übertragen. Wer diese Werte umfassend analysieren möchte, sollte zusätzlich die Möglichkeiten des kompatiblen Garmin-Systems und von Garmin Connect nutzen.

 

Fazit: Für wen lohnt sich die Garmin Rally XC210?

Die Garmin Rally XC210 verbinden eine beidseitige Leistungsmessung mit dem verbreiteten Shimano-SPD-System. Die lange angegebene Akkulaufzeit und die Schnellladefunktion machen sie auch für Fahrer interessant, die regelmäßig viele Stunden am Stück unterwegs sind. Hinzu kommt die Möglichkeit, die Pedale zwischen kompatiblen Fahrrädern zu wechseln oder die Messsensoren mit kompatiblen Pedalkörpern anderer Rally-Ausführungen zu verwenden.

In unserem Praxistest überzeugten die Pedale vor allem durch ihre unkomplizierte Handhabung im Fahrbetrieb und die ausdauernde Stromversorgung. Nach rund 1.250 Kilometern und knapp 45 Stunden Fahrtzeit war noch ausreichend Akkuladung vorhanden. Die erfassten Leistungswerte wirkten plausibel, auch wenn wir sie mangels einer zweiten Messquelle nicht unabhängig auf ihre Genauigkeit überprüfen konnten.

Die Verwendung mit einem Fahrradcomputer anderer Hersteller, etwa dem Wahoo ELEMNT BOLT v2, ist grundsätzlich möglich. Die Einrichtung verlief in unserem Fall allerdings nicht ganz ohne Umweg über Garmin Connect. Wer die erweiterten Cycling Dynamics nutzen möchte, sollte außerdem prüfen, welche Daten der eigene Fahrradcomputer tatsächlich unterstützt. Für eine klassische wattbasierte Trainingssteuerung sind diese Zusatzfunktionen nicht zwingend erforderlich.

Vorteile

  • • beidseitige Leistungsmessung mit einer vom Hersteller angegebenen Genauigkeit von ± 1 %
  • • lange Akkulaufzeit von bis zu 90 Stunden laut Hersteller
  • • Schnellladefunktion für kurze Ladepausen
  • • Pedalkörper mit Shimano-SPD-System für Gravel und Mountainbike
  • • Umrüstbarkeit auf Pedalkörper mit anderen Klicksystemen
  • • einfache Montage und Wechselmöglichkeit zwischen kompatiblen Fahrrädern
  • • erweiterte Cycling Dynamics Leistungsdaten mit kompatiblen Garmin Edge Geräten
  • • robuste Pedale mit IPX7-Schutz vor Schmutz und Wasser

Nachteile

  • • hoher Anschaffungspreis im Vergleich zu einseitig messenden Powermetern
  • • erweiterte Cycling Dynamics nicht vollständig auf allen Fahrradcomputern verfügbar
  • • Einrichtung mit dem Wahoo erforderte in unserem Test einen zusätzlichen Schritt über Garmin Connect
  • • bei bereits verschlissenen Cleats traten in unserem Test Spiel und metallische Geräusche auf; die Ursache wurde nicht abschließend behoben

Unterm Strich sind die Garmin Rally XC210 eine vielseitige Lösung für Fahrer, die ihre Leistung beidseitig messen und das Powermeter flexibel an mehreren Bikes nutzen möchten. Besonders interessant sind sie für ambitionierte Trainingsfahrer und Langstreckenfahrer, die ihre Belastung anhand von Wattwerten steuern und ihre Leistungsdaten detailliert auswerten wollen. Wer lediglich grundlegende Leistungsdaten benötigt und nur ein Fahrrad nutzt, kommt dagegen möglicherweise auch mit einem günstigeren einseitigen Powermeter aus.