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Der Garmin Egde 850 im Test

04/08/2026 Bernd Kramer
Blick auf den Lenker eines Rennrads, auf dem ein Radcomputer montiert ist.

Der Garmin Edge 850 – viel mehr als nur ein Navigationsgerät

Mit dem Edge 850 wertet Garmin seine Edge-Serie um einen Fahrradcomputer auf, der sich vor allem an ambitionierte Rennrad-, Gravel- und Mountainbikefahrer richtet. Auf dem Papier bringt das Gerät nahezu alles mit, was man von einem modernen GPS-Radcomputer erwarten kann: ein hochauflösendes LCD-Farbdisplay, umfangreiche Trainings- und Navigationsfunktionen, eine lange Akkulaufzeit, zahlreiche Möglichkeiten zur individuellen Konfiguration und viele weitere praktische Funktionen.

Doch wie schlägt sich der Edge 850 im Alltag und auf der Straße?

Wir haben den Garmin Edge 850 für ein paar ausgiebige Fahrten am Cervélo Caledonia getestet. Hier findet ihr einen kleinen Überblick:


 

Die wichtigsten Eckdaten des Garmin Edge 850

Der Garmin Edge 850 positioniert sich als leistungsstarker Fahrradcomputer für ambitionierte Rennrad-, Gravel- und Mountainbikefahrer. Gegenüber kleineren Modellen setzt Garmin auf ein größeres Display, kombiniert die Bedienung per Touchscreen und Tasten und ergänzt den Funktionsumfang um praktische Features wie einen integrierten Lautsprecher oder Garmin Pay. Auch die Routenplanung ist direkt auf dem Gerät möglich – ganz ohne Smartphone oder Internetverbindung.

Die wichtigsten technischen Daten im Überblick:

  • • Bedienung: Kombination aus Touchscreen und Tasten
  • • Display: 2,7 Zoll großes LCD-Display mit einer Auflösung von 420 × 600 Pixeln
  • • Navigation: Routenplanung direkt auf dem Gerät, inklusive verschiedener Filteroptionen
  • • Satellitensysteme: Multi-Frequenz-GNSS mit GPS, Galileo und GLONASS
  • • Akkulaufzeit: Bis zu 12 Stunden bei intensiver Nutzung, bis zu 36 Stunden im Energiesparmodus
  • • Speicher: 64 GB für Karten, Routen und weitere Inhalte
  • • Extras: Integrierter Lautsprecher für Sprachansagen, Klingelfunktion und Garmin Pay für kontaktloses Bezahlen
  • • Abmessungen: 54,6 mm × 92,2 mm × 16,8 mm (Breite x Höhe x Tiefe)
  • • Gewicht: ca. 113 Gramm
  • • Preis: 549,99 Euro (UVP)
 

Erster Eindruck: Ein Display, das zu gefallen weiß, ohne sich aufzudrängen

Bereits beim Auspacken fällt auf, dass Garmin beim Edge 850 einen guten Kompromiss zwischen Displaygröße und Gehäuseabmessungen gefunden hat.

Viele Fahrradcomputer mit großem Bildschirm wirken auf sportlichen Rennrädern schnell etwas wuchtig. Das trifft auf den Edge 850 unserer Meinung nach nicht zu. Auf dem Cervélo Caledonia wirkt der Computer angenehm kompakt und fügt sich harmonisch ins Cockpit ein, ohne am Lenker überdimensioniert zu wirken. Gleichzeitig bietet das Display deutlich mehr Platz als kleinere Modelle, wodurch Karten, Trainingsdaten und Navigationshinweise wesentlich angenehmer abzulesen sind.

Gerade Fahrer, die regelmäßig mehrere Datenfelder gleichzeitig anzeigen lassen, profitieren von der größeren Bildschirmfläche. À propos Display: Dieses gehört eindeutig zu den größten Stärken des Garmin Edge 850. Nicht nur die Größe überzeugt, sondern auch die Darstellung. Die Farben wirken kräftig, Datenfelder und Karten werden scharf und kontrastreich abgebildet und lassen sich somit auch problemlos und schnell während der Fahrt erfassen.

Besonders bei der Navigation macht sich das bemerkbar. Kreuzungen, Straßennamen und Abbiegehinweise lassen sich deutlich besser erkennen als auf kleineren Displays. Auch bei starker Sonneneinstrahlung ist das Display stets gut ablesbar und wechselt sogar nach Sonnenuntergang automatisch in den Nachtmodus, bei dem dunkle Hintergründe weiterhin für eine angenehme Ablesbarkeit sorgen.

 

Einrichtung und Bedienung des Edge 850: Alles eine Frage der Gewöhnung

Sobald der Garmin ausgepackt wurde, kann man nach kurzer Einrichtung auch schon loslegen. Die Einrichtung ist zwar schnell abgeschlossen, aber die Bedienung und Menüführung benötigen eine kleine Eingewöhnungszeit und auch eine individuelle Anpassung der angezeigten Datenfelder. Nur mit den voreingestellten Datenfeldern wird man bei der Nutzung nicht glücklich. Zumindest dürfte das vielen Nutzern so gehen, die aus dem Wahoo Kosmos einfache und übersichtliche Menüstrukturen und Datenfelder gewohnt sind.

Der Garmin Edge 850 (links) im Größenvergleich zum Wahoo Elemnt Bolt V2 (rechts).

Aber die große Stärke des Garmins ist, dass sich die Datenfelder umfangreich und individuell konfigurieren lassen. Das kann zum Beispiel am Gerät selbst oder in der Garmin Connect App erfolgen. Welche Trainingsseiten angezeigt werden, welche Datenfelder sichtbar sind, welche Karteninformationen erscheinen oder wie sich einzelne Sensoren verhalten – vieles kann individuell angepasst werden. Der Edge 850 lässt sich somit nahezu vollständig auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden und die Konfigurationsmöglichkeiten sind im Vergleich zum Wahoo Elemnt Bolt V2 viel umfangreicher, vor allem was die Darstellung von grafischen Widgets angeht. Allerdings verbringt man auch etwas Zeit damit, bis man den Garmin perfekt auf die eigenen Bedürfnisse eingerichtet hat. Aber ab dann will man diese Konfigurierbarkeit nicht mehr missen.

Ein weiteres Plus, das man von Garmin bereits kennt, ist, dass sich unterschiedliche Profile konfigurieren lassen, z.B. für Gravel, Rennrad oder Mountainbike. Hier können die Datenfelder ganz unterschiedlich gestaltet werden und lassen sich während der Fahrt einfach umstellen.

In seiner physischen Bedienbarkeit wirkt der Edge 850 von Anfang an souverän und intuitiv, er lässt sich sowohl per Touchfunktion als auch per Tasten bedienen. Die Steuerung per Touch zeigt keine Schwächen, auch bei Starkregen lässt sich der Computer fehlerfrei bedienen, ohne dass sich versehentlich Menüs oder ungewollte Ansichten öffnen.

 

Unterstützung beim Training und im Wettkampf

Fahrer, die vor allem gezielt trainieren oder sich auf Wettkämpfe vorbereiten, profitieren von der langjährigen Erfahrung von Garmin hinsichtlich der Trainingsfunktionen. Der Edge 850 unterstützt strukturierte Trainingspläne, Leistungsmesser, Herzfrequenzsensoren sowie zahlreiche Analysefunktionen. Dazu gehören unter anderem Leistungsdaten, Trainingsbelastung, Erholungszeiten, VO₂max-Schätzungen sowie weitere physiologische Kennzahlen – vorausgesetzt, die entsprechenden Sensoren und kompatiblen Garmin-Geräte werden genutzt.

Zudem kann man sich, wie aus dem Garmin Kosmos gewohnt, Erinnerungen zum Trinken und zur Energieaufnahme einstellen, die während des Trainings eingeblendet werden. Und wer eine elektronische Schaltung nutzt, kann diese ebenfalls mit dem Edge 850 verbinden. So kann beispielsweise nach der Fahrt nachvollzogen werden, wie viel Zeit in welchem Gang verbracht wurde. Endlose Möglichkeiten also, eigene Fahrten zu analysieren und zu optimieren.

Wer hingegen einfach nur seine Touren aufzeichnen möchte, kann viele dieser Funktionen problemlos ignorieren. Das ist ein Vorteil: Der Edge 850 richtet sich zwar klar an ambitionierte Fahrer, überfordert Einsteiger aber nicht zwangsläufig mit ständig eingeblendeten Trainingswerten.

Navigation mit dem Edge 850: solide und unaufgeregt ans Ziel

Eine weitere Stärke des Garmin Edge 850 ist zweifelsohne das mitgelieferte Kartenmaterial. Im Vergleich zum Wahoo Elemnt Bolt V2 ist das Kartenmaterial deutlich detaillierter. Zum Beispiel werden auch Gaststätten und andere Verpflegungsmöglichkeiten auf der Karte angezeigt. Auch Untergründe verschiedene Straßenbeläge werden deutlich unterschiedlich dargestellt. Darüber hinaus liefert der Garmin Warnhinweise, sobald man sich viel befahrenen Straßen oder gefährlichen Stellen nähert, z.B. Schlaglöcher, scharfe oder rutschige Kurven. Im Rennradprofil gibt der Garmin außerdem einen Warnhinweis aus, wenn man ohne nachzufahrende Route auf einen unbefestigten Weg zusteuert. Auch die Entfernungsangaben zu den Warnstellen sind ziemlich akkurat und genau.

Auch hinsichtlich der Navigation bietet der Garmin alles, was man braucht. Eine Route bzw. eine GPX Datei, die mit Komoot erstellt wurde, kann ganz einfach über die Garmin Connect App auf den Edge 850 übertragen werden. Dazu muss die GPX Datei im Smartphone direkt mit der App geöffnet werden. In der App selber gibt es beim Verwalten der Strecken keinen Menüpunkt zum Importieren von vorhandenen GPX Dateien. Wurde die GPX Datei geladen, muss diese noch an den Edge 850 gesendet werden. Nach kurzer Synchronisation ist die gebastelte Route auch auf dem Gerät auswählbar und kann direkt nachgefahren werden.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Routenplanung auch am Garmin selbst vorgenommen werden kann, ohne Komoot oder andere Routenplaner zu benötigen. Weiterhin kann auch während einer aktiven Aufzeichnung und einer bereits geladenen Route eine neue Route geladen werden, ohne dass die aktuelle Aufzeichnung beendet werden muss. Perfekt für alle Fahrer, die unterwegs eine Route doch mal spontan umplanen müssen.

Die Routenführung mit dem Edge 850 funktioniert absolut zuverlässig. Abbiegehinweise mit Entfernungsangaben werden übersichtlich und korrekt dargestellt, Kreuzungen sind gut zu erkennen und auch die Darstellung der Umgebung ist insgesamt informativer. Durch das größere Display lassen sich die Informationen schneller erfassen als auf kleineren Fahrradcomputern, wie dem Wahoo Elemnt Bolt V2. Und auch das Rerouting funktioniert problemlos. Sobald man von der geplanten Strecke abkommt, wird erfolgreich und unaufgeregt mit klaren Anweisungen wieder zur Route zurückgeleitet.

Wer ohne Route unterwegs ist, aber Ausschau nach umliegenden Anstiegen hält, ist mit dem Edge 850 ebenfalls gut beraten. Anstiege, die sich in der Nähe befinden, werden in einer separaten Ansicht gelistet. Sobald man sich in einem Anstieg befindet, wechselt der Edge 850 automatisch in die ClimbPro Ansicht, in der detaillierte Informationen über den aktuell befahrenen Anstieg abrufbar sind.

Zudem kann der Edge 850 mit einem guten GPS Signal überzeugen, auch in dichter bewaldeten Gebieten oder in städtischen Ballungsgebieten. Ermöglicht wird dies durch die zusätzliche Unterstützung von Galileo und Glonass inklusive Multi-Frequenz-Empfang, um stets stabile Positionsdaten abrufen zu können. Die Geschwindigkeitsanzeige arbeitet dabei akkurat und lässt keine großen Ausreißer nach oben oder unten zu, wie das z.B. beim Wahoo Elemnt Bolt der Fall ist. Das GPS Signal wird gleich nach dem Einschalten des Geräts erfasst, sodass man direkt losfahren kann, während Wahoo Nutzer noch ein wenig auf ihr GPS Signal warten müssen.

 

Wetterfest, lange Akkulaufzeit und viele weitere nützliche Features

Der Garmin Edge 850 überzeugt nicht nur mit seinem LCD-Display, der Navigation und den Trainings- und Analysemöglichkeiten, sondern vor allem mit seiner hohen Akkulaufzeit und der robusten Verarbeitung.

Fahrer, die viel fahren, werden mit dem Edge 850 problemlos größere Distanzen zurücklegen können, ohne den Radcomputer laden zu müssen. Bei intensiver Nutzung soll die Akkulaufzeit laut Hersteller bis zu 12 Stunden betragen. In der Praxis hängt dieser Wert natürlich stark von der Nutzung ab. Wer dauerhaft mit hoher Displayhelligkeit fährt, Karten nutzt, mehrere Sensoren gekoppelt hat und permanent navigiert, wird geringere Laufzeiten erreichen als Fahrer, die lediglich ihre Tour aufzeichnen. Im Energiesparmodus soll der Edge 850 sogar bis zu 36 Stunden durchhalten. Somit wird der Edge 850 auch für Fahrer interessant, die mit ihrem Bike möglichst minimalistisch zu Overnightern oder mehrtägigen Touren aufbrechen möchten.

Nicht zuletzt ist der Edge 850 für wirklich jedes Wetter gerüstet. Dank der IPX7-Zertifizierung sind Regen und Nässe kein Problem, auch Starkregen und Stöße können dem Edge 850 nichts anhaben. Das Wetter kann sogar in einer eigenen Ansicht angezeigt werden.

Weitere zusätzliche Funktionen, die den Garmin von anderen Radcomputern abheben, sind die Klingelfunktion und die Möglichkeit, mit dem Edge 850 bezahlen zu können, sofern Garmin Pay eingerichtet ist. Ganz nett, um beim nächsten Coffee Stop vorm Barista zu flexen, aber nicht wirklich notwendig, sondern unserer Meinung nach eine kleine Spielerei und eine nischige Funktionserweiterung. Die integrierte elektrische Klingel ist hingegen wesentlich praktikabler, der Klingelton ist laut und deutlich vernehmbar, liegt allerdings auch etwas unangenehm im Ohr, sodass man lieber den Freilauf sprechen lässt.

 

Fazit

Insgesamt hinterlässt der Garmin Edge 850 einen sehr positiven Eindruck, insbesondere durch das LCD-Display, das Kartenmaterial, die zahlreichen Trainings- und Analysemöglichkeiten sowie die enorme Individualisierbarkeit der Datenfelder und die langen Akkulaufzeiten.

Der einzige Punkt, der die Freude ein wenig schmälert, ist die erforderliche Eingewöhnung in die Bedienbarkeit und in die Menüsteuerung – insbesondere für Fahrer, die von einem Wahoo Computer umsteigen wollen.

Während Wahoo zum Beispiel in Form des Elemnt Bolt V2 durch seine Einfachheit und Kompaktheit zu überzeugen weiß, verfolgt der Garmin Edge 850 einen anderen Ansatz. Garmin bietet deutlich mehr Funktionen und damit auch komplexere Menüs. Hat man sich jedoch einmal mit dem System beschäftigt, lässt sich der Edge 850 nahezu perfekt an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Ein größeres Display und viel mehr Möglichkeiten zur Individualisierung bedeuten aber auch mehr Platz am Cockpit und ein höheres Gewicht. Fahrer, die wirklich ihr Rad inklusive Setup um wirklich jedes Gramm optimieren wollen, sind mit kompakteren Radcomputern, wie z.B. dem Garmin Edge MTB, besser beraten.

Und wer möglichst unkompliziert fahren möchte und auf viele Zusatzfunktionen verzichten kann, wird möglicherweise weiterhin die Einfachheit eines Wahoo-Computers bevorzugen.

Wer jedoch Wert auf ein großes Display, umfangreiche Navigationsfunktionen, detaillierte Trainingsanalysen und eine nahezu grenzenlose Individualisierung legt, erhält mit dem Edge 850 einen der umfangreichsten und vielseitigsten Fahrradcomputer auf dem Markt.

Wer weitere Infos zum Garmin Edge 850 braucht, findet diese hier beim Hersteller.